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Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV): Formel, Bedeutung, Grenzen

KGV = Aktienkurs ÷ Gewinn je Aktie. Niedrig heißt nicht günstig. Formel, Trailing vs. Forward, Grenzen — plus Rechner.

4 Minuten Lesezeit

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV, englisch Price-Earnings / P/E) setzt den Kurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie. Es sagt, mit welchem Vielfachen des Jahresgewinns der Markt die Aktie bewertet. Ein KGV von 15 heißt: Anleger zahlen das 15-Fache eines Jahresgewinns — wenn der Gewinn so bleibt, was er oft nicht tut.

Keine Anlageberatung. Ein KGV allein ist kein Kauf- oder Verkaufssignal.

Ein niedriges KGV kann ein Schnäppchen sein oder eine Falle. Die These entscheidet, nicht die eine Zahl.

Das Wichtigste zum KGV

PunktKurz
FormelAktienkurs ÷ Gewinn je Aktie (EPS).
LesartNiedrig = Markt zahlt weniger je Gewinn-Euro. Hoch = mehr. Immer relativ zu Branche und Historie.
VariantenTrailing (letzte 12 Monate), Forward (Schätzung), Shiller/CAPE (10 Jahre, geglättet).
GrenzeVerluste → KGV unsinnig. Schulden, einmalige Gewinne, Branche fehlen in der Zahl.
RechnerKGV selbst rechnen

Wie berechnet man das KGV?

KGV = Kurs ÷ Gewinn je Aktie.

Beispiel: Kurs 60 €, Gewinn je Aktie 4 € → KGV 15. Kurs 60 €, Gewinn 2 € → KGV 30. Dieselbe Aktie preislich, doppelt so „teuer“ gemessen am Gewinn.

Selbst durchrechnen: KGV-Rechner.

Welche Arten gibt es?

Historisches KGV (Trailing)

Gewinn der letzten zwölf Monate. Echte Zahlen, Blick zurück.

Prognostiziertes KGV (Forward, oft KGVe)

Geschätzter Gewinn. Blickt nach vorn, hängt an Analysten, die sich irren.

Shiller-KGV (CAPE)

Kurs zu inflationsbereinigtem Durchschnittsgewinn über zehn Jahre. Eher für Märkte als für eine einzelne Story-Aktie.

Was ist ein gutes KGV?

Keins pauschal. Grobe Schubladen, keine Regeln:

  • unter 10: wirkt günstig — oder der Markt erwartet Ärger
  • 10–15: oft solide Standardwerte
  • 15–25: erhöht
  • über 25: teuer oder Wachstum, das der Markt schon einpreist

Technik-Titel liegen historisch höher als Versorger. DAX-Schnitt lag über lange Jahre oft eher im Bereich 12–16, US-Märkte höher. Ein KGV 20 kann in der einen Branche normal, in der anderen extrem sein.

Hohes KGV

Der Markt zahlt für erwartetes Wachstum, Markstellung — oder für Hype. Werden Erwartungen enttäuscht, fällt der Kurs oft härter als bei einem langweiligen niedrigen KGV.

Niedriges KGV

Unterbewertet oder Value Trap. Wenn der Gewinn dauerhaft einbricht, war das „günstige“ KGV die Warnung.

Negatives KGV

Verlust. Die Kennzahl ist dann nicht interpretierbar. Besser Umsatz (KUV) oder Substanz (KBV) ansehen — und die These, ob überhaupt Gewinn kommen soll.

Was das KGV nicht kann

  • Schulden und Zinslast
  • Einmalgewinne (Verkauf einer Sparte)
  • Qualität des Gewinns (wiederkehrend oder Trick)
  • Branchenvergleiche ohne Kontext
  • Deinen Kaufgrund. Ein KGV 11 sagt nicht, ob deine These noch hält.

Deshalb: KGV als Filter, nicht als Urteil. Wenn News den Gewinnpfad zerstören, kippt die These — auch wenn das Trailing-KGV noch „günstig“ aussieht. Aktien verkaufen, wenn die These kippt.

Welche Kennzahlen ergänzen das KGV?

  • KBV: Kurs zu Buchwert, nützlich bei Banken und Substanz.
  • KUV: Kurs zu Umsatz, wenn noch kein Gewinn da ist.
  • Dividendenrendite: Ausschüttung zum Kurs — nicht verwechseln mit Qualität.

FAQ

Was sagt das KGV aus?

Wie viele Jahresgewinne der Markt für die Aktie bezahlt, grob. Nicht, ob du kaufen oder verkaufen sollst.

Wie berechnet man das KGV?

Aktienkurs geteilt durch Gewinn je Aktie. Rechner.

Was ist ein gutes KGV bei Aktien?

Nur im Vergleich zu Branche, Historie und Wachstum. Ein KGV 8 kann teuer sein, ein KGV 30 angemessen — je nach These.

Ist ein niedriges KGV ein Kaufsignal?

Nein. Es kann Unterbewertung oder ein kaputtes Geschäft bedeuten.

KGV oder KGVe?

Ohne e: oft historisch. Mit e: erwartet. Erwartet kann schneller lügen.

Fazit

Das KGV ist der schnelle Blick, nicht die Entscheidung. Relativ lesen, Grenzen kennen, These schreiben. Rechnen: KGV-Rechner. Einordnen: Was sind Aktien. Verkaufen, wenn der Grund kippt: Aktien verkaufen.